Der Christopher Street Day
in Deutschland
Ursprung, Geschichte und Bedeutung einer weltweiten Bürgerrechtsbewegung
Der Christopher Street Day (CSD) ist heute die größte Demonstration für die Rechte, die Sichtbarkeit und die Gleichberechtigung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und queeren Menschen (LSBTIQ+). Jedes Jahr gehen allein in Deutschland mehrere Millionen Menschen auf die Straße – nicht nur zum Feiern, sondern vor allem, um ein Zeichen gegen Diskriminierung und für Menschenrechte zu setzen. Seine Wurzeln reichen jedoch in eine Zeit zurück, in der Homosexualität kriminalisiert und queeres Leben häufig nur im Verborgenen möglich war.
Der Ursprung
Der Stonewall-Aufstand in New York
In den 1960er-Jahren waren Polizeirazzien in Bars, die von homosexuellen oder transgeschlechtlichen Menschen besucht wurden, in den USA an der Tagesordnung. Besonders betroffen war das Stonewall Inn in der Christopher Street im New Yorker Stadtteil Greenwich Village.
In der Nacht vom 27. auf den 28. Juni 1969 kam es erneut zu einer Polizeirazzia. Anders als zuvor wehrten sich die Gäste diesmal gegen die Schikanen und Verhaftungen. Es entwickelten sich mehrtägige Proteste und Straßenschlachten, die als Stonewall-Aufstand in die Geschichte eingingen.
Dieses Ereignis gilt heute als Wendepunkt der modernen internationalen LSBTIQ+-Bürgerrechtsbewegung. Bereits ein Jahr später fand in New York der erste Gedenkmarsch statt – der Vorläufer aller heutigen Pride-Paraden weltweit.
Der Weg nach Deutschland
Obwohl der Stonewall-Aufstand weltweit Aufmerksamkeit erregte, dauerte es einige Jahre, bis seine Ideen Deutschland erreichten.
In der Bundesrepublik kämpften homosexuelle Menschen zunächst vor allem gegen den berüchtigten Paragraphen 175, der sexuelle Beziehungen zwischen Männern unter Strafe stellte. Erst Ende der 1970er-Jahre verband sich dieser Kampf zunehmend mit den Impulsen aus den USA.
1979 – Die ersten CSDs
Im Jahr 1979 fanden die ersten Christopher Street Days in Deutschland statt.
Berlin veranstaltete am 30. Juni 1979 den ersten offiziellen Christopher Street Day mit rund 450 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Fast zeitgleich fand in Bremen unter dem Namen „Schwuler Karneval“ eine ähnliche Demonstration mit etwa 700 Teilnehmenden statt.
Damals mussten viele Menschen noch befürchten, ihren Arbeitsplatz oder ihre Wohnung zu verlieren, wenn ihre sexuelle Orientierung bekannt wurde. Daher nahmen viele Demonstrierende mit Sonnenbrillen oder Masken teil.
Vom Protest zur großen Bürgerrechtsbewegung
In den 1980er-Jahren standen die CSDs vor allem unter dem Eindruck der AIDS-Krise. Viele Demonstrationen erinnerten an die Verstorbenen und forderten bessere medizinische Versorgung sowie ein Ende der gesellschaftlichen Ausgrenzung.
Seit den 1990er-Jahren wuchs der CSD kontinuierlich:
immer mehr Städte organisierten eigene Veranstaltungen,
Vereine und Initiativen entstanden,
Unternehmen, Gewerkschaften, Kirchen und politische Parteien beteiligten sich zunehmend, die Medien berichteten immer umfangreicher.
Heute gibt es in Deutschland weit über 100 Christopher Street Days – von kleinen Demonstrationen mit einigen Hundert Menschen bis zu Großveranstaltungen mit Hunderttausenden Besucherinnen und Besuchern.
Warum heißt es in Deutschland „Christopher Street Day“?
Während international meist der Begriff Pride oder Pride Parade verwendet wird, hat sich im deutschsprachigen Raum der Name Christopher Street Day (CSD) etabliert.
Der Name erinnert unmittelbar an die Straße in New York, in der der Stonewall-Aufstand begann – die Christopher Street.
Damit soll bis heute an den Mut der Menschen erinnert werden, die sich 1969 erstmals öffentlich gegen Diskriminierung und Polizeigewalt zur Wehr setzten.
Der CSD heute
Moderne Christopher Street Days verbinden mehrere Ziele:
Demonstration für gleiche Rechte
Sichtbarkeit queerer Menschen
Kampf gegen Diskriminierung und Hass
Erinnerung an die Geschichte der Bewegung
Feier von Vielfalt, Offenheit und Demokratie
Viele CSDs bestehen aus:
einer politischen Demonstration,
Straßenfesten,
Bühnenprogrammen,
Informationsständen,
Kultur- und Bildungsangeboten.
Der CSD in Rosenheim
2004 fand in Rosenheim, damals organisiert von Hans Auer, das erste Straßenfest zum CSD, in der Nikolaistraße statt.
Es folgte 2005 ein weiteres Straßenfest, doch dann war Pause, bis 2019 Vinzenzo Gerardi, neuer Wirt des Jägerstüberls, das Fest wiederbelebte. Es folgte die Covid-Zwangspause, bis 2023 der Verein LGBTQ+ Rosenheim e.V. einen neuen Anlauf startete, diesmal, jedoch nicht als Straßenfest, sondern politische Demonstration.
Trotz vieler rechtlicher Fortschritte sehen Veranstalter den CSD weiterhin als notwendige politische Demonstration, da Diskriminierung und Gewalt gegen queere Menschen weiterhin existieren.
Fazit
Der Christopher Street Day ist weit mehr als eine bunte Parade. Er erinnert an den Mut der Menschen, die sich 1969 in New York gegen Unterdrückung erhoben, und steht bis heute für Freiheit, Gleichberechtigung und Menschenwürde.
In Deutschland hat sich der CSD seit den ersten Demonstrationen 1979 von einer kleinen Protestbewegung zu einer der größten gesellschaftlichen Bürgerrechtsveranstaltungen entwickelt. Millionen Menschen beteiligen sich jährlich – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität – und setzen gemeinsam ein Zeichen für Vielfalt, Respekt und Demokratie. Beispieltext. Klicke, um das Textelement auszuwählen.
Quellen:
Bundeszentrale für politische Bildung
Wikipedia
CSD Bremen e.V.
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Fotos:
AP
Larry Morris / NYT / Redux